13. Dezember 2019

Das Weihnachtsgeschenk

Paul bekam von seinem Bruder zu Weihnachten ein Auto geschenkt. Als Paul am Nachmittag des Heiligen abends sein Büro verließ, sah er, wie ein Junge um sein nagelneu blitzendes Auto herumschlich. Er schien echt begeistert davon zu sein. „Ist das ihr Auto, Mister?“ fragte er.
Paul nickte. „Ja, mein Bruder hat es mir zu Weihnachten geschenkt. Der Junge blieb wie angewurzelt stehen. “Mensch ich wünsche … .“ Er zögerte. Natürlich wusste Paul, was der Junge sich wünschen würde. Auch so einen Bruder zu haben. Aber was er sagte, kam für Paul so überraschend, dass er seinen Ohren nicht traute.
„Ich wünsche mir“, fuhr der Junge fort, “ich könnte auch so ein Bruder sein.“ Paul sah den Jungen an – und fragte ihn spontan:“ Hast Du Lust auf eine kleine Spritztour mit dem neuen Auto?“
„Das wäre echt toll!“
Nachdem sie eine kurze Strecke gefahren waren, fragte der Junge mit glühendem Augenaufschlag: “Würde es ihnen etwas ausmachen, bis zu unserer Haustür zu fahren?“
Paul schmunzelte. Er wollte seinen Nachbarn zeigen, dass er in einem großen Auto nach Hause gefahren wurde. Paul irrte sich ein zweites Mal.
„Können sie da anhalten, wo die Stufen beginnen?“ Er lief die Stufen hinauf. Nach kurzer Zeit hörte er ihn. Er kam nicht schnell gerannt. Der Junge trug seinen behinderten kleinen Bruder.
Er setzte ihn auf der untersten Stufe ab und erzählte ihm von dem Auto.
„Eines Tages werde ich Dir auch ein Auto schenken, dann kannst Du dir all die schönen Sachen in den Schaufenstern ansehen, von denen ich dir erzählt habe.
Paul stieg aus und hob den kleinen Burschen auf den Beifahrersitz. Mit glänzenden Augen setzte sich sein großer Bruder neben ihn – und die drei machten sich auf zu einem Weihnachtsausflug, den keiner von ihnen jemals vergessen würde.
An diesem Heiligabend verstand Paul, was Jesus gemeint hatte, als er sagte: „ Es ist seliger, zu geben …“

12. Dezember 2019

Die Zeit wartet nicht

Um den Wert eines Jahres zu erfahren, frage einen Studenten, der im Schlussexamen durchgefallen ist.
Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage eine Mutter, die ein Kind zu früh zur Welt gebracht hat.
Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift.
Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verlobten, die darauf warten, sich zu sehen.
Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der seinen Zug, seinen Bus oder seinen Flug verpasst hat.
Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der einen Unfall erlebt hat.
Um den Wert einer Millisekunde zu erfahren, frage einen Sportler, der bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille gewonnen hat.
Die Zeit wartet auf niemanden.
Sammle jeden Moment, denn er ist wertvoll.
Teile ihn mit einem besonderen Menschen und er wird dir noch wertvoller.

11. Dezember 2019

Aufeinander zugehen

Wenn wir aufeinander zugehen
Und zueinander stehen
Ehrlich und echt sind
Und auf Floskeln verzichten
Geduldig warten
Und wohlwollend zuhören
Feines beschützen
Und Schwaches stärken
Trauriges gemeinsam tragen
Und uns an den Erfolgen anderer freuen
Hindernisse als Möglichkeiten sehen
Und Ansätze weiterdenken
Liebevoll begleiten
Und herzlich danken Halt geben, statt festzuhalten
Raum lassen und ermutigen
Den eigenen Weg zu gehen
Wird Weihnachten.

Max Feigenwinter

10. Dezember 2019

Du bist wertvoll

Ein wohlbekannter Sprecher startete sein Seminar, indem er einen Scheck von 40 Euro hoch hielt. In dem Raum saßen insgesamt 200 Leute.
Er fragte: “Wer möchte diesen Scheck haben?”
Alle Hände gingen hoch.
Er sagte: “Ich werde diesen 40 Euro Scheck einem von Euch geben, aber zuerst lasst mich eins tun.”
Er zerknitterte den Scheck.
Dann fragte er: “Möchte ihn immer noch einer haben?”
Die Hände waren immer noch alle oben.
Also erwiderte er: “Was ist, wenn ich das tue?”
Er warf ihn auf den Boden und rieb den Scheck mit seinen Schuhen am dreckigen Untergrund.
Er hob ihn auf, den Scheck; er war zerknittert und völlig dreckig.
“Nun, wer möchte ihn jetzt noch haben?”
Es waren immer noch alle Arme in der Luft.
Dann sagte er:
“Liebe Freunde, wir haben soeben eine sehr wertvolle Lektion gelernt. Was auch immer mit dem Geld geschah: Ihr wolltet es haben, weil es nie an seinem Wert verloren hat. Es war immer noch und stets 40 Euro wert.
Es passiert oft in unserem Leben, dass wir abgestoßen, zu Boden geworfen, zerknittert, und in den Dreck geschmissen werden. Das sind Tatsachen aus dem alltäglichen Leben.
Dann fühlen wir uns, als ob wir wertlos wären. Aber egal was passiert ist oder was passieren wird, DU wirst niemals an Wert verlieren. Schmutzig oder sauber, zerknittert oder fein gebügelt, DU bist immer noch unbezahlbar für all jene, die dich über alles lieben.
Der Wert unseres Lebens wird nicht durch das bewertet, was wir tun oder wen wir kennen, oder wie wir aussehen … sondern dadurch wer Du bist. Du bist was besonderes und wertvoll – Vergiss das NIEMALS! Und denk daran: Einfache Leute haben die Arche gebaut – Fachmänner die Titanic.”

Verfasser unbekannt

9. Dezember 2019

Der bessere Weg

Ein kleiner Junge, der auf Besuch bei seinem Großvater war, fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen. Im gleichen Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück und der Junge versuchte vergebens sie mit einem Stöckchen herauszuholen. Der Großvater hatte ihm zugesehen und hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen.
„Das ist falsch“, sagte er, „komm‘ ich zeig‘ dir wie man das macht.“
Er nahm die Schildkröte mit ins Haus und setzte sie auf den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, steckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.
„Menschen sind manchmal wie Schildkröten“, sagte der Mann. „Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte auf und er wird seinen Panzer verlassen können.“

Verfasser unbekannt

8. Dezember 2019

Erober‘ deine Welt

Du wurdest beschissen. Ungeahnt
Ins Wasser geschmissen. Nichts geplant.
Am rettenden Ufer
ein einsamer Rufer,
den du beim besten Willen nicht verstehst.
Mit höheren Wellen, die dir bald
die Blicke verstellen. Es ist kalt.
Ein Schlag auf die Lunge.
Das Salz auf der Zunge.
Wenn du zulässt, dass du untergehst,
wirst du nie erfahren, welche Höh’n
für dich denkbar waren und wie schön
sich vieles noch wendet.
Ein Traum, der nicht endet,
wenn du diese Prüfungen bestehst
und du mutig deine Wege gehst.
Du bist allein auf dich gestellt.
Steh auf und erober deine Welt!
Irgendwo zwischen Witzfigur und Held
ist alles für dich drin,
komm, mach hin!
Ein Umstand, der dich noch erschreckt,
doch dein Ziel ist niemals zu hoch gesteckt.
Sitz nicht rum, bis das Leben dich entdeckt.
Gib ihm einen Sinn!
Dann kannst du nur gewinn’n.
Durch dieses Leben warst du oft
nah dran, aufzugeben. Unverhofft
geht doch eine Tür auf.
Ne Treppe, die führt rauf.
Doch dabei ist dir eines nicht ganz klar:
Führt dich diese Chance zu deinem Ziel?
Behalt‘ die Balance, du bleibst im Spiel.
Du kannst es nicht fassen:
Du kannst dich verlassen,
trotz aller dir drohenden Gefahr,
auf deine Gedanken, dein Gefühl.
Du darfst jetzt nicht wanken. Bleib ganz kühl.
Du musst dich entscheiden.
Du bist zu beneiden.
Tu es und mach deine Träume wahr.
Du wirst sehen: Es wird wunderbar!
Du bist allein auf dich gestellt…
Du bist alleine
Du bist allein auf dich gestellt.
Du musst jetzt aufsteh’n.
Komm, erober deine Welt!
Hör auf zu warten,
bis das Leben dich entdeckt.
Du weißt noch nicht,
wieviel in dir steckt.

Daniel „Dän“ Dickopf

7. Dezember 2019

Aufbruch

Es wird kommen der Tag, da verlasse ich, 
zaghaft zuerst, dann beherzt 
meine einsame Insel.
Wage mich endlich hervor aus dem bewährten Versteck 
und der sicheren Deckung, 
fast ohne Angst und ohne mich noch einmal umzusehen.
Meine Rüstung tue ich ab und alle die Waffen, das Wenn und das Aber und steige ins Boot.
Wehrlos werde ich sein und wunderbar, ich weiß, auf dem offenen Meer und einzig beschützt von der Liebe.

Lothar Zenetti

6. Dezember 2019

Das Geheimnis der Zufriedenheit

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister. 
„Herr“, fragten sie „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? 
Wir wären auch gerne so glücklich wie du.“
 

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: 
„Wenn ich liege, dann liege ich.

Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf.

 Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“
 

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus:
„Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. 
Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. 
Was ist also dein Geheimnis?“

Es kam die gleiche Antwort: 
„Wenn ich liege, dann liege ich. 
Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. 
Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“
 

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: 
„Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. 
Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. 
Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. 
So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. 
In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“

Verfasser unbekannt

5. Dezember 2019

So ’ne weihnachtliche Geschichte

Ich bin sieben und mein Herz pocht, als ich die Treppen zu Frau Peffs kleinem Laden hochgehe. Natürlich weiß ich, was Geld ist. Ich habe ja viel davon zusammengespart. Leider nicht genug, eine Mark fehlt mir noch für die beiden Weinrömer mit dem gedrechselten grünen Stiel. Trotzdem: Ich will meinen Eltern endlich mal etwas Richtiges schenken, etwas, das sie wirklich gebrauchen können, Schluss mit der kindischen Bastelei! Sehr selbstbewusst hole ich die Weingläser aus dem Regal, gehe zum Tresen und schiebe Frau Peff meine Währung zu. Fünf Mark und zwei Muscheln. Die sind aus dem Sommer, von der Ostsee, ich habe die schönsten ausgesucht. Leider schaffe ich es nicht, Frau Peffs Blick standzuhalten. Meine Knie zittern etwas und ich blicke zu Boden. Da höre ich es rascheln. Frau Peff wickelt die beiden Weingläser in graues Packpapier, legt sie griffbereit vor mich hin. Und gerade als ich mich umdrehe und gehen will, höre ich: „Warte! Du hast etwas vergessen!“ Frau Peff schiebt mir 50 Pfennig über den Ladentisch. „Dein Wechselgeld!“

Iris Macke

4. Dezember 2019

Das Gewicht des Lebens

Ein junger Mann kam zu einem alten Weisen.

„Meister“, sprach er mit schleppender Stimme „das Leben liegt mir wie eine Last auf den Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter diesem Gewicht zusammenzubrechen.“

„Mein Sohn“ sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln, „das Leben ist leicht wie eine Feder.“

„Meister, bei allem Respekt, aber hier musst Du irren. Denn ich spüre mein Leben Tag für Tag wie eine tonnenschwere Last auf mir lasten. Sag, was kann ich tun?“

„Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.“ sagte der Alte, noch immer lächelnd.

„Aber…“ wollte der junge Mann einwenden.

Doch der alte Mann hob die Hand: „Dieses „Aber“, mein Sohn, wiegt allein schon eine Tonne…“