5. Dezember 2019

So ’ne weihnachtliche Geschichte

Ich bin sieben und mein Herz pocht, als ich die Treppen zu Frau Peffs kleinem Laden hochgehe. Natürlich weiß ich, was Geld ist. Ich habe ja viel davon zusammengespart. Leider nicht genug, eine Mark fehlt mir noch für die beiden Weinrömer mit dem gedrechselten grünen Stiel. Trotzdem: Ich will meinen Eltern endlich mal etwas Richtiges schenken, etwas, das sie wirklich gebrauchen können, Schluss mit der kindischen Bastelei! Sehr selbstbewusst hole ich die Weingläser aus dem Regal, gehe zum Tresen und schiebe Frau Peff meine Währung zu. Fünf Mark und zwei Muscheln. Die sind aus dem Sommer, von der Ostsee, ich habe die schönsten ausgesucht. Leider schaffe ich es nicht, Frau Peffs Blick standzuhalten. Meine Knie zittern etwas und ich blicke zu Boden. Da höre ich es rascheln. Frau Peff wickelt die beiden Weingläser in graues Packpapier, legt sie griffbereit vor mich hin. Und gerade als ich mich umdrehe und gehen will, höre ich: „Warte! Du hast etwas vergessen!“ Frau Peff schiebt mir 50 Pfennig über den Ladentisch. „Dein Wechselgeld!“

Iris Macke