21. Dezember 2019

Vom Suchen und Finden


Ich suche nicht, ich finde.
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen
und ein Findenwollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird,
ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer:
Die Ungewissheit solcher Wagnisse
können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die sich im Ungeborgenen geborgen wissen.

Pablo Picasso 

20. Dezember 2019

Es ist Zeit

Es ist Zeit, die Lichter leuchten schon,
Die Hoffnung ist schon entzündet.
Es ist Zeit, dass du kommst,
Mach dich auf zu uns,
zeig dich endlich im fremden Kind,
lehr uns die Sprache deiner Liebe, ohne Verstehen.
Veführ uns, im Fremden einen Bruder zu sehen,
Komm setz dich mit uns an den Tisch,
Leg deine Hand sanft auf unsre drauf,
Und lehr uns dein Bitten und Teilen.
Es ist Zeit,
Mach dich auf und geh mit uns über die Grenze fort,
Nimm die Angst aus dem Herzen: Mein Land zuerst.
Der Mensch zuerst! Das war dein Wort.
Komm mach es wahr und trag uns fort,
Zeig uns ein Land, wo Honig fließt,
Wo keiner der Liebe Hahn abdreht,
Wo die Angst weg ist und das Herz wieder blüht.

Kristin Jahn

19. Dezember 2019

Ich hasse Matsch.

Ich hasse Matsch. Vor allem, wenn ich bei nassem Winterwetter die Abkürzung über die Wiese nehme. Er klebt dann an meinen Schuhen. Bis ich bemerke, wie matschig die Wiese ist, ist es schon zu spät. Umkehren ist mittendrin genauso blöd wie weitergehen. Es ist wie eine Falle. Nichts hilft. Ich kann mir nur noch sagen: Augen auf und durch.

Manchmal sind ganze Tage matschig. In der Mitte stelle ich fest, dass alles nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ich weiß: Jetzt ist es so. Ich kann’s nicht ändern. Da muss ich jetzt durch.

18. Dezember 2019

Gutes im Herzen behalten

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht. 
Der Geschlagene war gekränkt. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand:
„Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen.“
Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase. Dort beschlossen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute.
Nachdem sich der Freund, der fast ertrunken war, wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein:
„Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet.“
Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: „Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?“
Der andere Freund antwortete: „Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand Schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann.“

Verfasser unbekannt

17. Dezember 2019

Das perfekte Herz

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.

Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.

Verfasser unbekannt

16. Dezember 2019

All of me

Was würde ich ohne deinen klugen Mund tun,
der mich hineinzieht, während du mich abstößt?
Meine Gedanken drehen sich, kein Scherz
Ich werde aus dir nicht schlau
Was geht in diesem wunderschönen Kopf vor?
Ich bin auf einer magischen mysteriösen Fahrt
Und ich bin so verwirrt, keine Ahnung was mich getroffen hat
Aber ich krieg‘ das schon hin
Wie oft muss ich dir sagen,
dass du sogar auch wunderschön bist,
wenn du weinst
Die Welt zieht dich runter
Ich bin jeden Schritt an deiner Seite
Du bist mein Niedergang, meine Muse
Meine größte Ablenkung, mein Rhythmus und mein Blues
Ich kann nicht aufhören zu singen, in meinem Kopf klingt es für dich
Aber Karten auf den Tisch
Wir zeigen beide Herzen
Und riskieren alles, auch wenn es schwierig ist
Denn alles an mir liebt alles an dir
Liebe deine Kurven und all deine Kanten
All deine perfekten Unvollkommenheiten
Gib mir alles was du hast und ich gebe dir alles was ich habe
Du bist mein Ende und mein Anfang
Selbst wenn ich verliere, gewinne ich
Denn ich gebe dir alles, was ich habe
Und du gibst mir alles, was du hast

John Legend

15. Dezember 2019

Du bist das Licht

Immer wenn wir glauben, dass wir angekommen sind
Immer wenn wir funkeln, wie die Augen eines Kindes
Immer wenn wir stolz sind auf uns selbst
uns ein schwerer Stein vom Herzen fällt
Immer wenn wir Liebe in uns spüren, sehen wir das Licht.
Immer wenn wir glauben, dass es keinen Weg mehr gibt
Immer wenn die Wahrheit unsere Hoffnung fast besiegt
Immer wenn der Schmerz die Herzen trifft
unsere ganze Welt zusammenbricht
Immer wenn die Wut das Licht erstickt, sehen wir es nicht
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
Denn du bist das Licht
Manchmal brauchen wir ’n bisschen Zeit um zu verstehen
oder sind wir nur noch nicht bereit den Weg zu gehen.
Es genügt ein Funke für den Brand
Zu oft wird zuviel von dir verlangt
Warum hast du es noch nicht erkannt? Du bist das Licht!
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
(Oh-Ho!)
Denn du bist das Licht
Es brennt in uns ein Leben lang
macht sichtbar, wer wir wirklich sind
Und glaubst du nichts mehr irgendwann,
geh wohin dein Herz dich bringt!
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
Du siehst so schön aus, wenn du lachst
oder wenn du vor Glück weinst
Deine Augen
leuchten
so funkelnd
(Oh!)
Dann sehen wir das Licht!
(Mh!)
Am Ende das Licht!

Gregor Meyle

14. Dezember 2019

Weihnachten

Ich sehn‘ mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub‘, ich hab’s einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
dass alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei’s Sonnnenstrahl,
dass Regen, Schnee und jede Wolk,
dass all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön

Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön‘
ein’s jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd‘ still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, daß war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb‘ bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

Hermann Hesse

13. Dezember 2019

Das Weihnachtsgeschenk

Paul bekam von seinem Bruder zu Weihnachten ein Auto geschenkt. Als Paul am Nachmittag des Heiligen abends sein Büro verließ, sah er, wie ein Junge um sein nagelneu blitzendes Auto herumschlich. Er schien echt begeistert davon zu sein. „Ist das ihr Auto, Mister?“ fragte er.
Paul nickte. „Ja, mein Bruder hat es mir zu Weihnachten geschenkt. Der Junge blieb wie angewurzelt stehen. “Mensch ich wünsche … .“ Er zögerte. Natürlich wusste Paul, was der Junge sich wünschen würde. Auch so einen Bruder zu haben. Aber was er sagte, kam für Paul so überraschend, dass er seinen Ohren nicht traute.
„Ich wünsche mir“, fuhr der Junge fort, “ich könnte auch so ein Bruder sein.“ Paul sah den Jungen an – und fragte ihn spontan:“ Hast Du Lust auf eine kleine Spritztour mit dem neuen Auto?“
„Das wäre echt toll!“
Nachdem sie eine kurze Strecke gefahren waren, fragte der Junge mit glühendem Augenaufschlag: “Würde es ihnen etwas ausmachen, bis zu unserer Haustür zu fahren?“
Paul schmunzelte. Er wollte seinen Nachbarn zeigen, dass er in einem großen Auto nach Hause gefahren wurde. Paul irrte sich ein zweites Mal.
„Können sie da anhalten, wo die Stufen beginnen?“ Er lief die Stufen hinauf. Nach kurzer Zeit hörte er ihn. Er kam nicht schnell gerannt. Der Junge trug seinen behinderten kleinen Bruder.
Er setzte ihn auf der untersten Stufe ab und erzählte ihm von dem Auto.
„Eines Tages werde ich Dir auch ein Auto schenken, dann kannst Du dir all die schönen Sachen in den Schaufenstern ansehen, von denen ich dir erzählt habe.
Paul stieg aus und hob den kleinen Burschen auf den Beifahrersitz. Mit glänzenden Augen setzte sich sein großer Bruder neben ihn – und die drei machten sich auf zu einem Weihnachtsausflug, den keiner von ihnen jemals vergessen würde.
An diesem Heiligabend verstand Paul, was Jesus gemeint hatte, als er sagte: „ Es ist seliger, zu geben …“

12. Dezember 2019

Die Zeit wartet nicht

Um den Wert eines Jahres zu erfahren, frage einen Studenten, der im Schlussexamen durchgefallen ist.
Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage eine Mutter, die ein Kind zu früh zur Welt gebracht hat.
Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift.
Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verlobten, die darauf warten, sich zu sehen.
Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der seinen Zug, seinen Bus oder seinen Flug verpasst hat.
Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der einen Unfall erlebt hat.
Um den Wert einer Millisekunde zu erfahren, frage einen Sportler, der bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille gewonnen hat.
Die Zeit wartet auf niemanden.
Sammle jeden Moment, denn er ist wertvoll.
Teile ihn mit einem besonderen Menschen und er wird dir noch wertvoller.