22. Dezember 2019

Gott wird Mensch

Ist Finden besser als Suchen?
Ist stark besser als schwach?
Ist groß besser als klein?
Ist beschützen besser als schutzlos?

Gott wird Mensch.
Kein Starker Held.
Keine Powerfrau.
Gott – fällt nicht als Retter vom Himmel.

Gott wird Mensch.
Ein schreiender Säugling.
Ein schutzbedürftiges Wesen.
Gott – wird neugeboren auf der Erde, bei uns.

Gott wird Mensch.
Er ist Wachsen, Werden und Gedeihen.

Es geht weiter …

An jedem 12. des Monats, zur Dämmerung, eine halbe Stunde – zur Ruhe kommen, Innehalten, Nachdenken. Mit Musik, Texten, Gebeten.
Im Anschluss daran laden wir zu Gesprächen und nettem Beisammensein noch in der Kirche zu verweilen.
Und natürlich wird diese Seite auch weiterhin die Möglichkeit bieten, auch online dabei zu sein. Die Texte gehen pünktlich zu Sonnenuntergang online.

Feedback, Anliegen, Austausch mit uns ist über das Instagram-Profil evjugendjupave möglich und erwünscht.

21. Dezember 2019

Vom Suchen und Finden


Ich suche nicht, ich finde.
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen
und ein Findenwollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird,
ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer:
Die Ungewissheit solcher Wagnisse
können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die sich im Ungeborgenen geborgen wissen.

Pablo Picasso 

20. Dezember 2019

Es ist Zeit

Es ist Zeit, die Lichter leuchten schon,
Die Hoffnung ist schon entzündet.
Es ist Zeit, dass du kommst,
Mach dich auf zu uns,
zeig dich endlich im fremden Kind,
lehr uns die Sprache deiner Liebe, ohne Verstehen.
Veführ uns, im Fremden einen Bruder zu sehen,
Komm setz dich mit uns an den Tisch,
Leg deine Hand sanft auf unsre drauf,
Und lehr uns dein Bitten und Teilen.
Es ist Zeit,
Mach dich auf und geh mit uns über die Grenze fort,
Nimm die Angst aus dem Herzen: Mein Land zuerst.
Der Mensch zuerst! Das war dein Wort.
Komm mach es wahr und trag uns fort,
Zeig uns ein Land, wo Honig fließt,
Wo keiner der Liebe Hahn abdreht,
Wo die Angst weg ist und das Herz wieder blüht.

Kristin Jahn

19. Dezember 2019

Ich hasse Matsch.

Ich hasse Matsch. Vor allem, wenn ich bei nassem Winterwetter die Abkürzung über die Wiese nehme. Er klebt dann an meinen Schuhen. Bis ich bemerke, wie matschig die Wiese ist, ist es schon zu spät. Umkehren ist mittendrin genauso blöd wie weitergehen. Es ist wie eine Falle. Nichts hilft. Ich kann mir nur noch sagen: Augen auf und durch.

Manchmal sind ganze Tage matschig. In der Mitte stelle ich fest, dass alles nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ich weiß: Jetzt ist es so. Ich kann’s nicht ändern. Da muss ich jetzt durch.

18. Dezember 2019

Gutes im Herzen behalten

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht. 
Der Geschlagene war gekränkt. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand:
„Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen.“
Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase. Dort beschlossen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute.
Nachdem sich der Freund, der fast ertrunken war, wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein:
„Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet.“
Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: „Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?“
Der andere Freund antwortete: „Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand Schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann.“

Verfasser unbekannt

17. Dezember 2019

Das perfekte Herz

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.

Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.

Verfasser unbekannt

16. Dezember 2019

All of me

Was würde ich ohne deinen klugen Mund tun,
der mich hineinzieht, während du mich abstößt?
Meine Gedanken drehen sich, kein Scherz
Ich werde aus dir nicht schlau
Was geht in diesem wunderschönen Kopf vor?
Ich bin auf einer magischen mysteriösen Fahrt
Und ich bin so verwirrt, keine Ahnung was mich getroffen hat
Aber ich krieg‘ das schon hin
Wie oft muss ich dir sagen,
dass du sogar auch wunderschön bist,
wenn du weinst
Die Welt zieht dich runter
Ich bin jeden Schritt an deiner Seite
Du bist mein Niedergang, meine Muse
Meine größte Ablenkung, mein Rhythmus und mein Blues
Ich kann nicht aufhören zu singen, in meinem Kopf klingt es für dich
Aber Karten auf den Tisch
Wir zeigen beide Herzen
Und riskieren alles, auch wenn es schwierig ist
Denn alles an mir liebt alles an dir
Liebe deine Kurven und all deine Kanten
All deine perfekten Unvollkommenheiten
Gib mir alles was du hast und ich gebe dir alles was ich habe
Du bist mein Ende und mein Anfang
Selbst wenn ich verliere, gewinne ich
Denn ich gebe dir alles, was ich habe
Und du gibst mir alles, was du hast

John Legend

15. Dezember 2019

Du bist das Licht

Immer wenn wir glauben, dass wir angekommen sind
Immer wenn wir funkeln, wie die Augen eines Kindes
Immer wenn wir stolz sind auf uns selbst
uns ein schwerer Stein vom Herzen fällt
Immer wenn wir Liebe in uns spüren, sehen wir das Licht.
Immer wenn wir glauben, dass es keinen Weg mehr gibt
Immer wenn die Wahrheit unsere Hoffnung fast besiegt
Immer wenn der Schmerz die Herzen trifft
unsere ganze Welt zusammenbricht
Immer wenn die Wut das Licht erstickt, sehen wir es nicht
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
Denn du bist das Licht
Manchmal brauchen wir ’n bisschen Zeit um zu verstehen
oder sind wir nur noch nicht bereit den Weg zu gehen.
Es genügt ein Funke für den Brand
Zu oft wird zuviel von dir verlangt
Warum hast du es noch nicht erkannt? Du bist das Licht!
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
(Oh-Ho!)
Denn du bist das Licht
Es brennt in uns ein Leben lang
macht sichtbar, wer wir wirklich sind
Und glaubst du nichts mehr irgendwann,
geh wohin dein Herz dich bringt!
Wenn all das was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt
dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht
Du siehst so schön aus, wenn du lachst
oder wenn du vor Glück weinst
Deine Augen
leuchten
so funkelnd
(Oh!)
Dann sehen wir das Licht!
(Mh!)
Am Ende das Licht!

Gregor Meyle

14. Dezember 2019

Weihnachten

Ich sehn‘ mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub‘, ich hab’s einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
dass alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei’s Sonnnenstrahl,
dass Regen, Schnee und jede Wolk,
dass all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön

Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön‘
ein’s jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd‘ still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, daß war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb‘ bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

Hermann Hesse